Spahn: Widerspruchs­lösung wäre Verpflichtung zum aktiven Freiheits­gebrauch

„Auf Herz und Nieren – die Zukunft der Organspende“ – das war das Thema beim „Niedersachsen im Gespräch“, der Gesprächsreihe der CDU in Niedersachsen. Rund 200 interessierte Gäste kamen am Freitag nach Hannover und wurden Teil einer von Beginn an emotionalen und tiefgründigen Debatte. Dr. Bernd Althusmann, Landesvorsitzender der CDU in Niedersachsen, begrüßte die Gäste und betonte gleich zu Beginn: „Das ist ein hochkomplexes Thema und eine zutiefst ethisch-moralische Angelegenheit. Es ist richtig, dass wir darüber ins Gespräch kommen. Klar ist: In dieser Debatte gibt es kein Richtig und kein Falsch.“

 

Spahn wirbt für Widerspruchslösung

Bei einer Widerspruchslösung ist automatisch jeder ein potenzieller Organspender, der nicht aktiv widersprochen hat. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärte in seinem Impulsvortrag, warum er eine Widerspruchslösung befürwortet: „In Deutschland sterben durchschnittlich drei Menschen am Tag, die auf ein Organ angewiesen sind. Es geht mir nicht darum, wie sich jemand entscheidet, sondern dass er sich entscheidet! Die Widerspruchslösung würde eine Verpflichtung zum aktiven Freiheitsgebrauch bedeuten.”

Prof. Dr. Dr. Axel Haverich pflichtete dem Gesundheitsminister bei: „Die Widerspruchslösung wäre für die betroffenen Patienten der große Wurf! Deswegen bin ich dem Bundesminister sehr dankbar, dass er den Mut hatte, diesen Vorstoß zu wagen.“ Die Dankbarkeit der Betroffenen und Angehörigen rechtfertige alle Mühen, so der Leiter des Transplantationszentrums an der Medizinischen Hochschule Hannover.
Spahn machte die Schwierigkeit der Debatte deutlich: „Das ist eine Frage, bei der uns das „C“ im Parteinamen nicht zu dem einen richtigen Ergebnis führt.“

 

Landesbischof ist skeptisch

Wie zuvor Jens Spahn, betonte auch Landesbischof Ralf Meister, dass man in dieser Debatte das Argument des Gegenübers aushalten und respektieren müsse. „Es geht um die Grundfrage: Was ist der Mensch? Wann beginnt sein Leben, wann endet es?“, verdeutlichte der Protestant. Sein festes Verständnis sei es, dass die Würde des Menschen auch nach dem Tod gelte. „Wenn der Staat ohne das explizite Einverständnis eines Menschen Teile von diesem Menschen entnimmt, vergeht er sich“, begründete er seine Ablehnung gegenüber der Widerspruchslösung.

Prof. Dr. Anna Bergmann nahm eine dezidierte Gegenposition ein und stellte das gesamte „System der Organspende“ in Frage. „Bei der Organspende wird das Sterben auf rein medizinische Maßstäbe reduziert. Es gibt zu wenig Aufklärung über Organspenden“, sagte die Kulturhistorikerin. „Für mich ist die zentrale Frage: Was ist Sterben?“

 

Betroffene im Publikum

Aus dem Publikum meldeten sich Fragesteller aus den Reihen der Befürworter und der Skeptiker. Ein Teilnehmer berichtete von der ausgezeichneten Lebensqualität, die er seit 16 Jahren aufgrund einer transplantierten Leber genieße. Die Frage aus dem Publikum, ob ein Mensch nicht sein Schicksal annehmen und auf eine Transplantation verzichten solle, beantwortete Ralf Meister mit einer Gegenfrage: „Wie würden wir darüber denken, wenn es um unser eigenes Kind ginge?“ Prof. Dr. Dr. Axel Haverich unterstrich diese Position: „Wenn man persönlich betroffen ist, ändert sich die Sichtweise.“

 

In seinem Schlusswort dankte Kai Seefried, Generalsekretär der CDU in Niedersachsen, allen für die offene und leidenschaftliche Debatte. „Ich bin unserer Jungen Union sehr dankbar für den Impuls zu diesem Thema. Wir führen diese Diskussion jetzt innerparteilich weiter. Auf unserem Kleinen Landesparteitag im April werden wir eine Position dazu finden”, kündigte er an.

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